1./4. Juni 1859
1. Juni 1859. (...) Papa kam aus d. Stadt mit dem Anbieten, Nanny u. mich nach Wien zu nehmen. Ich schlug aber so gleich ab, da Mama gar nicht wohl ist, obschon es mich sehr reut, u. redete ihm zu, Nanny allein mitzunehmen, wozu er sich fast nicht entschließen kann. (…)
4. Juni 1859. (...) Mama ist betrübt, daß ich zu Hause bleiben muß, u. ich will mein Möglichstes, thun, um sie glücklich zu machen, O mein Heiland, sei nur Du bei mir! Ich machte dann 5 Armenbesuche, die mir für meine Zufriedenheit, sehr gut thaten, u. ging dann zuletzt zu der lieben Frau Schultheß-Meiß. Schon die Armenbesuche thaten mir gut, indem ich doch sah, wie gut ich es habe im Vegleich mit allen diesen Leuten, u. Frau Schultheß ermutigte mich dann auch noch, nur geduldig auszuhalten, u. meinen Willen dem Herren zu übergeben. Gestärkt u. muthig kam ich dann heim, u. bat Gott, daß Er uns doch diese Ruhezeit geistig u. leiblich segnen, u. mich zu Mamas Freude werden lassen möge. (...)
Martin Escher-Hess ist mit 71 Jahren zwar schon im vorgerückten Alter, reist aber immer noch gern. Hier geht es wohl um eine geschäftliche Reise nach Wien. Vielleicht traf er dort auch Alois Negrelli, der Ingenieur, mit dem zusammen er als Vorsteher der Zürcher Kaufmannschaft unter anderem die Münsterbrücke baute (1835 vollendet) und die erste Eisenbahnlinie von Zürich nach Baden realisierte (Inbetriebnahme 1847).
Für Deinen Vater wird es nun Zeit, seine Reisetasche zu packen. Diese Reisetasche ist erhalten und wird im Landesmuseum Zürich aufbewahrt. In einer Ausstellung über Accessoires war sie 2025 ausgestellt, so dass ich sie fotografieren konnte. Vielleicht hast Du die Tasche für ihn sogar bestickt?