18. Juli 1859

Am Morgen waren wir ziemlich früh, tranken unser Wasser, Mama Karlsbader u. dann machte ich allein einen Spaziergang auf den Berg. Wie schade daß es so steil Hinaufgeht; ich fürchte Mama kann nicht hinauf. Oben ist es sehr schön. Frische grüne Alpenwiesen, das Dörfchen Valens, und im Hintergrunde die Schneeberge, (Calanda u. Graue Höherner-unklar), Und dann ists so still u. friedlich u. schön sonnig, während im Thal Alles dunkel ist. Ich mußte aber eilen um aufs Frühstück zurückzukommen, zu dem ich dann guten Appetit brachte. Nachher lasen wir u. ich schrieb bis Mittags an Elise. Als wir an die Tafel kamen, wer war da? Herr Bodmer-Pestalozzi mit beiden Knaben. Sie aßen mit uns u. Nachmittags gingen sie in unser Zimmer u. wir tranken Kaffe. Am Tisch hätte ich fast Streit bekommen, über Politik mit einer Deutschen, welche die (Allgem-unklar) eine sehr (schal-unklar). Nach zwei Uhr mußten Herr Bodmers schon wieder fort und wir begleiteten sie bis ans Felsenthor. Doch machte uns der Gang in der Hitze sehr müde, und wir blieben nachher im Zimmer. Herr Bodmers sind noch heute nach Zürich zurück. Um 5 Uhr kam Frau Orell und blieb bis um 7 Uhr bei uns, was ziemlich langweilig war. Nachher gingen wir dann noch bis zum Nachtessen auf einen der nächsten Bänke, u. lasen dort (Nachträglich eingefügte Zwischenzeile: Herr Favargers fuhren im Wagen an uns vorbei.) in Ruhe u. Stille, was recht herrlich war. Das Nachtessen war ordentlich u. gleich nachher gingen wir zu Bette, was aber doch fast zu früh war.  


Anders als du befürchtet hast kennt ihr doch einige Leute in Pfäfers: Schon gestern erwähntest Du Frau Orell, heute trefft ihr Herrn Bodmer-Pestalozzi. Ihr begleitet ihn auf dem Weg Richtung Ragaz bis zum Felsentor, dass heute leider eingebrochen ist. Und was bald wichtig werden wird sind die Passagiere der Kutsche, die an Euch vorbei fährt: Bald wirst Du das Ehepaar Favarger kennen lernen und uns in Deinem Tagebuch noch viel von ihnen berichten.

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