Unser kleines Team

Barbara Berger-Schindler lernte in der Schule noch Kurrentschrift lesen, und hat es bis heute nicht verlernt. Bis zu Ihrer Pensionierung war sie Primarlehrerin. Sie zog mit ihrem Mann drei Kinder gross und freut sich heute über 6 Enkelkinder. Dank ihr sind viele Archivalien der Familie erhalten geblieben.

Annette Schindler ist Kunsthistorikerin und Archivarin und bearbeitet als Selbständige vorwiegend private Familienarchive. Mit einem Fund wie dem Rätselheft von Pauline probiert sie gern Formen aus, wie solch “altes Zeug” für jüngere Generationen wieder attraktiv gemacht werden kann.

Lilian Caprez zeichnet gern für andere und für sich, manchmal schnell, manchmal langsam. Cartoons, Illustrationen, gif Filme für Web und analog in diversen Techniken. Cartoon, Comics, Live Zeichnen, Bücher, Karten, und vieles mehr sind ihre Bereiche.

Extras

Nebst der bebilderten Auswahl von Rätseln möchten wir besonders folgende Weitere hervorheben:

Was uns an diesen Rätseln interessierte

Rätsel sind eine faszinierende Text-Form: Mit wenigen Worten wird etwas beschrieben, ohne es zu benennen. Dank der Versform fällt es leichter, sich die Texte zu merken und im richtigen Moment zu zitieren. Das Gegenüber ist dann gefordert: Raten ist eine Kunst und kombiniert Wissen und Intuition. So kommen wir von der Kunst zum Spiel. Beim Raten dürfen die im Rätsel verwendeten Worte ruhig auf die Goldwaage gelegt werden, denn deren Doppel- und Mehrfach-Bedeutungen können eine Rolle spielen. So etwa in diesem Rätsel:

 (33) Ohn daß ich Füße hätte,

eil ich dahin im schnellen Lauf.

Höre Tag und Nacht nicht auf,

und bin doch fast immer im Bette.

A. der Fluß.

 Das Wort «Lauf» könnte als ‘Laufen’ im Sinne von schnell gehen gelesen werden, zumal vorher die Füsse genannt wurden. Das «Bett» wird zunächst als das Möbelstück verstanden, in dem wir Menschen schlafen. Jedoch sind beide Worte ja auch für den Fluss relevant: der Flusslauf, das Flussbett.

Im Fall der Rätsel von Pauline Escher bildet aber auch das 19. Jahrhundert und seine Gesinnung und Geisteshaltung einen Rahmen, innerhalb dessen Rätsel und Lösungen sich präsentieren. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist:

 (112) Welche Fünf Zeugen hat der Mensch in allen

seinen Worten und Handlungen stets bei sich?

A. Augen, Ohren, Gewissen!

 Es sind nicht die fünf Sinne, wie heute viele vermuten. Das Gewissen ist für das 19. Jahrhundert einer der fünf Zeugen. Ist nicht auch heute das Gewissen die Instanz, die es uns erlaubt, richtig von falsch zu unterscheiden und damit erst qualifizierte Zeugenschaft abzulegen?

 

Doch auch Humor und Wortwitz blitzt immer wieder aus den Rätseln hervor, etwa in diesem:

 (172) Was geht richtiger als eine Uhr?

A. Eine Laus, sie geht aufs Haar.

 

Rätsel referieren auf Wissen, das als bekannt vorausgesetzt werden kann, wie etwa hier:

 (24) In stillem Thal begrüßt von dreien Flüssen,

Liegt freundlich sie, die schwer geprüfte Stadt

des Schönen Viel, gibt sie uns zu genießen,

Was Kunst und Fleiss zu Tag gefördert hat.

In neuster Zeit hat eine Riesenschlacht,

Sie in der Weltgeschichte hoch berühmt gemacht.

A. Leipzig.

 Heute wissen nur noch wenige Bescheid über die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813. Doch damals war dieses Ereignis so bekannt wie für uns heute das Wissen um die beiden Weltkriege, die ja auch schon mehr als 80 und 100 Jahre her sind.

 

Noch in unserer Kindheit wurden in der Schule auf dem Pausenhof Scherzfragen herumgeboten, analog zu einigen von Paulines Scherzfragen:

 (221) Welches Thier ist dem Wolfe am ähnlichsten?

A: die Wölfin

 Oder:

(142) Wo hat die Welt ein Ende und der Tod den Anfang?

A: Im Buchstaben T

 

Im 19. Jahrhundert aber limitierte sich das Rätselraten nicht auf den Schulhof, sondern gehörte zur gesellschaftlichen Unterhaltung. Rätselsammlungen wurden publiziert, wichtige Autoren trugen immer weitere überraschende Rätsel bei, bereicherten das Genre und weiteten es aus, wie etwa Friedrich Schiller, Johann Peter Hebel und Friedrich Schleiermacher. Heute kennen wir Rätsel, die bis in die sumerische und altägyptische Zeit zurück gehen, sowie viele Sagen und Geschichten, in denen Rätsel eine wichtige Rolle spielen: Von der Sphinx im alten Ägypten über die Königin von Saba, die mit Salomon Rätsel austauscht bis zur Oper Turandot von Puccini oder dem Rätselduell in «Der Hobbit» von Tolkien.

 Annette Schindler und Barbara Berger-Schindler