Im Jahr 1842 schrieb Pauline Escher als 14-jähriges Mädchen 227 Rätsel in ein kleines Heft. Dieses Heft ist über 5 Generationen erhalten geblieben.

2025 fand die Urgrossnichte von Pauline, Barbara Berger-Schindler, das Heft bei einigen Familienarchivalien. Sie und Paulines Ururgrossnichte Annette Schindler transkribierten die Texte um sie für jüngere Generationen wieder zugänglich zu machen.

Schliesslich stiess die Illustratorin Lilian Caprez dazu, mit der die Idee entstand, einige Rätsel auszuwählen, zu bebildern und ein Kartenspiel zu machen.

Entstanden ist ein Kartenset mit einer Auswahl von Paulines Rätsel. Auf einer Seite der Spielkarten das Rätsel, auf der Rückseite die Lösung mit einem Bild oder einer Illustration von Lilian Caprez.

Derjenige, der mich erschuf, bestreitet mich immer,

er verfolgt mich über das Meer und über das Land

und lässt mir keinen Augenblick Ruhe.

Je näher er mich bei sich sieht, je mehr vermindert er mich.

Ich belustige die Kinder erschrecke die Pferde,

und durch mich ist die Malerei erfunden worden.

Die Rästel-Auswahl

© alle Illustrationen: Lilian Caprez

Der Schatten

Der es macht der will es nicht.

Der es trägt behält es nicht.

Der es kauft, gebraucht es nicht.

Der es hat, der weiß es nicht.

Der Sarg

Gestern, hiess es, wird es sein,

Morgen ist's gewesen.

Heute

Ich gehe oft, und habe Flügel,

und bleibe doch an meinem Ort.

Mein Aufenthalt ist stets ein Hügel,

da tob' ich Tag und Nacht oft fort.

Die Windmühle

Je mehr man davon nimmt, desto grösser wird es,

je mehr man dazu thut, desto kleiner wird es.

Das Loch

Drei Worte gibt ein R, ein E,

ein doppelt N, ein O und D.

Das eine brüllt, das andre sticht,

im dritten fehlt's an Kälte nicht.

Donner, Dornen, Norden

Mein Erstes ist nicht wenig,

mein Zweites ist nicht schwer.

Mein Ganzes lässt dich hoffen

– doch traue nicht zu sehr.

Vielleicht

Ohn' daß ich Füße hätte,

eil' ich dahin im schnellen Lauf.

Höre Tag und Nacht nicht auf,

und bin doch fast immer im Bette.

Der Fluss

Im Lenz ergötz' ich dich,

im Sommer kühl' ich dich,

im Herbst ernähr' ich dich,

im Winter wärm' ich dich.

Der Baum

Stets sind wir unser zwei, und auch einander so getreu,

dass man uns nicht leicht trennen kann.

Auch denkt der Mensch nicht leicht daran.

Wir sind ihm öfters sehr beschwerlich,

und doch auf Reisen unentbehrlich.

Stiefel

Nicht so geschwind als ich, ist Luft und Wind.

Ich reis' in Welten, die kein sterblich' Auge sah.

Bin in Minuten dort, und in Minuten da.

Der Gedanke

Mein Leib ist schlank, ein Gänsekiel;

der Bart mein Hauptverdienst,

mit diesem thu ich viel;

durch ihn weiß ich den Staub selbst zu beseelen.

Und, obgleich blind, das Licht dem Schatten zu vermählen.

Der Pinsel

Lieblich ist meine Nahrung,

süss die Frucht meiner Arbeit,

gefährlich meine Rache.

Die Biene

Hier in der kleinen Kammer wohnen,

von Hütten selbst bis zu den Thronen,

fast aller Menschen Rationen,

und klein und groß und jung und alt,

und schön und häßlich von Gestalt.

Welch Wunderding, und dennoch störet

kein Zank und Streiten ihre Ruh,

der Tapfere, wie der Feige, kehret

sich und auch uns den Rücken zu.

Die Bibliothek

Zerstochen werd ich immerdar,

dazu bin ich bestimmt;

allein zu meinem Glück,

bringt keine Wunde mir Gefahr,

so tief sie geht, und läßt auch keine Spur zurück.

Das Nähkissen

Mein Ansehen gleicht dem stillen Wasser,

meine Pflicht ist, aufrichtig zu sein,

und meine Kunst, zu verdoppeln.

Der Spiegel

Ich bin nicht Körper und nicht Geist,

doch hab ich Flügel, wie es heißt.

Man findet mich im Himmel und auf Erden,

dem Weisen bring ich Lust, dem Thoren nur Beschwerden.

An Schnelligkeit gleicht nichts auf Erden mir -

geschwind, errathe mich, sonst, Freund, entflieh ich dir.

Die Zeit

Von Form bin ich ganz kugelrund,

durchscheinend, leicht, und herrlich bunt.

Ein langer Hauch erzeuget mich,

ein schneller Hauch vernichtet mich.

Die Seifenblase

Von allem was ich kriege trinke ich mich so voll, dass ich zu Boden sinke:

Doch gönnt man mir es nicht, im Augenblicke geb ich’s auf einen Druck zurück.

Der Schwamm

Sehr wenig isst man ohne mich,

und doch isst man nicht alleine mich.

Das Salz

Aus einem Ei klein wie ein Hirsekorn,

ward ich geboren. Ich lebt ein kurzes Frühlingsleben,

begab mich in mein Grab,

das ich mir selber gab,

um mich bald glänzender in Lüften zu erheben.

Ich starb zum zweiten mal, doch sorg ich noch vorher,

dass meine Sippschaft nicht mit mir erloschen wär.

Der Schmetterling

Man sieht an mir weder Anfang noch Ende,

und ich bin nichts ohne die Begleitung der einen oder andern von meinen mir und und sich einander selbst ungleichen Schwestern,

die mir erst Werth geben, wenn sie mir vorangehen.

Die Null

Eins sind wir zwei; doch wenn wir uns zusammenfügen,

entzwein' wir alles was wir kriegen.

Die Schere

Es ist eine wunderschöne Brücke,

worüber noch kein Mensch gegangen.

Das ist davon ein seltsam Stück,

daß über ihr die Wasser hangen,

und unter ihr die Leute gehn,

ganz trocken, und sie froh ansehen.

Der Regenbogen

Welche fünf Zeugen hat der Mensch in allen seinen Worten und Handlungen stets bei sich?

Augen, Ohren, Gewissen

Welcher Vogel hat keine Federn,

keine Flügel,

und keinen Schnabel?

Der Spassvogel

Ich wachse lang und dann doch niemals aus der Erden.

Mich kennet jedes Kind und kauft mich ohne Geld.

Gleichwohl kommt eine Zeit, da ich kann selten werden,

dann sieht man mich nicht in diesem Theil der Welt.

Der Eiszapfen

Zwei Väter und zwei Söhne.

schiessen drei Hasen, schöne.

Ein jeder hat einen ganzen

getragen in seinem Ranzen.

Es waren Grossvater, Vater und Sohn gewesen.

Mein See hat niemals Wasser gehabt,

meine Felder sind unfruchtbar,

ich habe keine Häuser, und doch grosse Städte.

Ich schliesse tausenderlei Werke in einen Punkt ein,

ich bin beinahe nichts, und bin doch die ganze Welt.

Die Landkarte