3. Oktober 1858

3-Oktober 1858: Am Morgen fuhr ich in d. Fraumünster, Mama blieb zu Hause, da sie nicht ganz wohl ist. Die Predigt v. Hr. Zimmerman war schön. Nachher machte ich Armenbesuche u. ging dann heim, um auf Nachmittags zu bereiten, da Mama mir erlaubt hat nach Steinmaur zu fahren. Elise u. Betheli aßen bei uns, und fuhren dann mit mir nach 2 Uhr durch den gewöhnlichen Weg bis nach Dielstorf, von dort kamen wir durch ein artiges Mühlchen in das gegenüber am Berge liegende Steinmaur. Leider hatte ich schon zu Hause noch gehört, daß Regeli in Höngg sei, u. wäre Elise nicht bei mir gewesen, so wäre ich jedenfalls nicht hingefahren. Da wir es aber auch Grite versprochen, so mochte ich jetzt nicht mehr ändern. In Steinmaur stiegen wir beim Wirtshaus aus, und gingen durchs Dorf. Grite trug den Korb mit allerlei Geschenken, und führte uns zu einem langen mit Stroh gedeckten Hause. Da alles verschossen war mußten wir klopfen, da kam Frau Gottschall um uns aufzuthun. Sie war gar nicht erschrocken und hieß uns ins Stübli kommen, wo die jüngeren Töchter u. die Sohnes-Frau waren. Alle waren freundlich, u. man stellte uns gleich eine Flasche Wein auf, den wir aber natürlich nicht tranken, dann wollten sie uns durchaus Kaffe n. Küchli machen, was wir aber nicht zuließen. Wir blieben lange bei ihnen in der Stube, die ältere der beiden Tochter würde sehr gern zu uns kommen, sieht aber jetzt sehr schlecht aus, so daß sie mir recht Mitleid machte. Wir besuchten dann noch die Verwandten, sie ließen Anneli holen, welches auch recht artig war, dann gingen wir vors Haus, holten Zigarren, spazierten dann bis zum Pfarrhaus, u. hätten große Lust gehabt noch zu bleiben, wen̄ es nicht 5 Uhr gewesen wäre! Wir wurden nun v. Allen begleitet, die alle Herren suhte (unklar) ihre großen Mitkapge (unklar) auf, u. gaben uns Nüsse, Bohnen, Trauben und Kürbisse u. Zigarren ein, und nachdem wir versprochen ein anderes Jahr bei ihnen Kaffe u. Kamebrod zu nehmen wenn Regeli da sei, stiegen wir vergnügt ein u. fuhren den nämlichen Weg zurück. Die Aussicht war prächtig der Abend so schön u. friedlich daß ich zu gern da geblieben wäre. Zu Hause trafen wir Alles in bester Ordnung an, Elise und Betheli fuhren bald heim, u. ich schrieb noch Alles auf. O guter Gott, erhalte doch diese lieben Leute, u. gib auch und ein rechtes braves Meitli, mit dem wir recht versorgt sind!

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29. September 1858

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9./21. Oktober 1858